Die Metamor­phose des Insekten­bekämpfers

Wie wird man von einem Insektenbekämpfer zu einem Insektenretter? Der Biozid-Unternehmer Dr. Reckhaus wandelt seit dem «Fliegenretten in Deppendorf» sein Geschäftsmodell.

Dr. Reckhaus erzählt uns seine Geschichte.

Die Kunst, Respekt und Geschäft zu verbinden

«Als ich 2011 das Atelier für Sonderaufgaben der Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin betrat, hatte ich keine Ahnung, was auf mich zukommen würde. Ich, Dr. Hans-Dietrich Reckhaus, der vor über zehn Jahren die elterliche Biozid-Firma übernommen hatte, wollte die Riklins mit der Idee für den Markteintritt meiner neuen Fliegenfalle beauftragen. Stattdessen drehten die beiden querdenkenden Künstler den Spiess um und konfrontierten mich mit den Auswirkungen meines Insektenbekämpfungsgeschäfts. Sie forderten mich auf, das Verhältnis zwischen Mensch und Insekt zu hinterfragen: Was ist der Wert eines Insekts? Diese Frage hat mich bis heute nicht losgelassen und gab damals den Anstoss für die ungewöhnliche Kunstaktion ‹Fliegenretten in Deppendorf›.»

Umdenken und Umhandeln

«Im Hintergrund bewirkte die Aktion bei mir ein weitreichendes Umdenken und Umhandeln: In Zusammenarbeit mit den Biologen von ARNAL – Büro für Natur und Landschaft AG berechneten wir zum ersten Mal im Detail, wie Bekämpfungsmittel die Insektenpopulation beeinträchtigen. Daraus leiteten wir ein wissenschaftliches Modell ab, um diesen Eingriff mit Ausgleichsflächen zu kompensieren. Dieses Ausgleichsmodell diente als Basis für INSECT RESPECT®, das weltweit erste Gütesiegel für einen neuen Umgang mit Insekten. Damit hatte ich endlich eine Alternative zur klassischen Insektenbekämpfung.»
Atelier für Sonderaufgaben. Frank und Patrick Riklinks mit Dr. Hans-Dietrich Reckhaus

Retten statt Töten

«Mit INSECT RESPECT® ist ein Stein ins Rollen gekommen, der mir täglich Ansporn gibt, mich immer stärker für Insekten einzusetzen. Ich erkannte den Wert von Insekten und sah, wie stark ihre Anzahl zurückgeht, habe sogar einen Animationsfilm dazu gedreht und ein Buch darüber geschrieben: Warum jede Fliege zählt. Irgendwann war mir die Kompensation des Insektenverlusts durch meine Produkte mittels insektenfreundlichen Ausgleichsflächen nicht mehr genug. Wir müssen weniger Insekten bekämpfen, weniger Produkte einsetzen. Daher gab ich zahlreiche Präventionstipps auf meinen Produkten. Doch der nächste folgerichtige Schritt muss sein: vollständig auf das Töten verzichten. Das ist für einen traditionsreichen Biozid-Hersteller erstmal ein schwieriger und sehr beängstigender Gedanke – aber es ist nicht unmöglich! Das durch die Kunst ausgelöste radikale Umdenken führte zu der Idee, Lebendfallen zu entwickeln. Das ist der logische nächste Schritt für die Insektenbekämpfungsbranche. Der Fruchtfliegen-Retter ist erst der Anfang. Wir möchten für alle Insekten im Haus einen Weg finden, lebendig wieder nach draussen zu kommen oder gar nicht erst hineinzugelangen. Es ist ein grosses gesellschaftliches Umdenken: Insektentöten ist nicht mehr nötig. Das geht nicht von heute auf morgen – doch etwas, das denkbar ist, kann auch machbar werden. Dafür wollen wir den Weg ebnen und dafür brauchen wir Sie. Helfen Sie mit, Insekten zu retten.»